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"Nach der Dialyse ein Leben für die Dialyse"
Nachrichten Universitätsklinikum Heidelberg
Mittwoch, 23. Mai 2012 138 Studenten online  

08.08.2006

Nach der Dialyse ein Leben für die Dialyse (idw)

Vor 20 Jahren erhielt Sandra Faller am Transplantationszentrum Heidelberg eine Spenderniere/ Heute ist sie als Dialyseschwester Vorbild für Nierenkranke

Ein ganz besonderes Jubiläum konnte im August 2006 die 33jährige Dialyseschwester Sandra Faller aus Bühl bei Baden-Baden feiern: Vor 20 Jahren hat sie an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg durch eine Verstorbenenspende eine neue Niere erhalten. Bei einer Pressekonferenz am 2. August 2006 berichtete sie über ihr Leben vor und nach der Transplantation.

Mehr als 20 Jahre mit einer neuen Niere zu leben, wird künftig keine Ausnahme mehr sein: Dank neuer Tests auf Abstoßungsreaktionen und Innovationen bei dem Eingriff selbst können heute bis zu 40 Prozent der Nierentransplantierten damit rechnen, dass ihr Organ zwei Jahrzehnte funktionstüchtig bleibt, wie die Ärzte des Heidelberger Transplantationszentrums bei der Pressekonferenz mitteilten.

Die damals 13jährige Sandra Faller litt seit ihrem siebten Lebensjahr an einer Autoimmunerkrankung (Glomerulonephritis), bei der der Körper die Nieren zerstört. Mit zehn Jahren musste sie zum ersten Mal an die Dialyse. Zweieinhalb Jahre lang unterzog sie sich der belastenden Blutreinigung - sowohl zu Hause mit ihrer Mutter, als auch unter ärztlicher Aufsicht - bis sie am 7. August 1986 die Nachricht erhielt, dass ein Spenderorgan für sie gefunden worden sei. Eine große Stütze waren Sandra Faller nach der Transplantation ihre Großeltern, die sie trotz großer Entfernung zum Wohnort bei Bühl immer wieder in Heidelberg besuchten.

Heute arbeitet Sandra Faller als Dialyseschwester in der Praxis Dr. Bott, Dr. Pindl und Dr. Heim in Achern bei Offenburg. Ihren Patienten gegenüber ist sie streng und hat wenig Verständnis dafür, wenn sich diese nicht an die Vorschriften der Ärzte halten. Denn sie selbst verdankt die lange Zeit mit ihrer Spenderniere auch ihrer Disziplin: Pünktliche Einnahme ihrer Medikamente, ständige Kontrolle des Blutdrucks, viel Trinken sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind Voraussetzungen dafür, dass die Niere funktionsfähig bleibt.

Trotz Transplantation ein Leben mit Einschränkungen

Obwohl es ihr mit der neuen Niere gut geht, muss die Dialyseschwester mit Einschränkungen leben: Sie darf keine schweren Gegenstände tragen, wegen der erhöhten Infektionsgefahr nicht in bestimmte Länder reisen, Impfungen wirken weniger gut. Auch mit Gewichtsproblemen hat sie zu kämpfen. "Nach der Transplantation ist man nicht wieder gesund, und man hat das Organ nur so lange, wie es funktioniert", warnt sie. Dennoch würde sie sich jederzeit wieder zur Transplantation entschließen, denn die vier- bis sechsstündige Dialyse dreimal pro Woche bringt eine enorme Belastung und starke Abhängigkeit von den Geräten mit sich.

Professor Dr. Jan Schmidt, Leiter der Sektion Viszerale Organtransplantation in Heidelberg an der Chirurgischen Universitätsklinik, betont, dass eine Nierentransplantation nicht nur die Lebensqualität verbessert, sondern auch die Lebenserwartung entscheidend erhöht. "Bereits nach einem Jahr ist der lebensverlängernde Aspekt beim Vergleich von Dialysepatienten und Transplantierten erkennbar", unterstreicht sein Kollege Professor Dr. Martin Zeier, Leiter des Nierenzentrums Heidelberg. Doch der Bedarf an Spenderorganen ist etwa fünfmal so hoch wie die Anzahl der verfügbaren Nieren. Die Wartezeit bis zur Transplantation beträgt daher in vielen Fällen mehrere Jahre.

Neue OP-Verfahren und Tests verlängern Funktionsdauer der Spendernieren

Seit Sandra Fallers Nierentransplantation vor 20 Jahren hat sich nach Auskunft der Ärzte viel verändert. Die Operation verläuft sehr viel schneller, die Narkoseverfahren sind weniger belastend und nach der Operation können die Funktion und Durchblutung des neuen Organs mit Ultraschall sehr gut überwacht werden. Bluttransfusionen benötigt nur ein sehr kleiner Teil der Patienten und auch die Zahl der akuten Abstoßungskrisen ist stark gesunken.

Durch einen neuen Test ist eine individuelle Einstellung der Medikamente zur Immunsuppression möglich. Dadurch sinkt das Langzeitrisiko für die Patienten und immer mehr Transplantierte können ihr Organ über lange Zeit behalten: So sind heute im Durchschnitt nach 23 Jahren noch etwa 40 Prozent der Spendernieren intakt - nach einer Lebendspende sind die Prognosen noch besser. Die Zahl der in Heidelberg Transplantierten hat sich seit 1986 annähernd verdoppelt: Erhielten damals etwa 60 Patienten pro Jahr ein Spenderorgan, so sind es heute um die 120.

Kontakt:

Professor Dr. Jan Schmidt
Transplantationszentrum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 6205 (Sekretariat)
E-Mail: jan.schmidt@med.uni-heidelberg.de

Professor Dr. Martin Zeier
Nierenzentrum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 35297
E-Mail: martin.zeier@med.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weiterführende Infos zum Thema:


Autor/Verfasser:
Dr. Annette Tuffs
Position: Pressesprecher(in)
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56-4536

Datum der Veröffentlichung:
08.08.2006

Alle Pressetexte unterliegen dem Urheberrecht des jeweiligen Verfassers!

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